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Erfahrung mit Casa de Migrantes?

Hier werden Menschen und Organisationen zusammengeführt, die sich mit Hilfsprojekten in Mexiko beschäftigen. Zudem ist diese Gruppe ein Treffpunkt für alle, die aktiv und inaktiv Hilfsprojekte unterstützen möchten.

Moderator: Christa

Erfahrung mit Casa de Migrantes?

Beitragvon Garcia Lorca » Mi 27 Feb, 2008 0:57

Hallo an die Mexikospezialisten :wink

ich schreibe gerade meine Abschlussarbeit an der Uni über mexikanische Migranten und bin im Zuge der Recherche auf die Casas de Migrantes gestoßen. Da ich nach dem Studium gern mal wieder selber nach Mexico reisen und dabei möglichst etwas Sinnvolles tun möchte, dachte ich daran dort eine zeitlang auszuhelfen.

Kennt sich jemand mit diesem Red de Casas de Migrantes aus? Meine Befürchtung ist, dass sie sehr religiös ausgerichtet sind und ich nicht weiß, welche Rolle die Religion dort einnimmt. Nicht, dass ich nicht auch kath. Glaubens wäre, aber ich weiß ja nicht, wie extrem das in Mexiko sein könnte ...

Es gibt diese "casas" in Mexico und Guatemala. Kennt jemand vielleicht folgende Orte oder Gegenden und könnte mir ein Plätzchen davon empfehlen: Nuevo Laredo, Tijuana, Tapachula bzw. Ciudad Guatemala oder Tecún Umán.

http://www.migrante.com.mx/Tijuana.htm

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand weiter helfen könnte!

Viele Grüße

Garcia Lorca
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Re: Erfahrung mit Casa de Migrantes?

Beitragvon Christa » Mi 27 Feb, 2008 2:50

Hallo Garcia Lorca

Respekt, und ich hoffe, Du bist Dir bewusst was Dich bei dieser Arbeit erwartet (ist nicht böse gemeint – aber da ich ja nicht wissen kann, inwieweit Du dich bereits mit diesen Auffangstationen beschäftigt hast – erwähne ich es nur vorsichtshalber).
Welche Orte Dir dafür empfohlen werden könnten?... Ehrlich …. Keine.
Die Arbeit in diesen Häusern ist alleine schon sehr anstrengend und nichts für schwache Nerven dazu kommen die von Dir genannten Orte, die ich Dir persönlich ebenfalls nicht gerade für einen humanitären Einsatz (ohne bereits vorher genügend Erfahrungen gesammelt zu haben) empfehlen würde.
Aber ich versuche es einmal der Reihe nach.
---Als Humanitärer Helfer, und wenn man in einer religiösen Einrichtung mitarbeiten möchte, benötigt man eine spezielle Aufenthaltsgenehmigung (musst bereits in Deutschland bei der Botschaft beantragt werden)

---Im Umfeld dieser Häuser wirst Du öfters mitbekommen, dass die Migra und die Polizei nicht gerade „zimperlich“ mit den Migranten umgeht. Einmischung kommt einer Ausweisung Deinerseits gleich – also musst Du in der Lage sein, „Zähne zusammen zu beißen“ und nicht zu reagieren.

----Du wirst auch mit sehr viel Elend in Berührung kommen. Zum Beispiel in Tapachula wirst Du schwerste körperliche Verletzungen durch „die Bestie“ (so wird der Güterzug Richtung al norte genannt) zu Gesicht bekommen. Naja, nicht umsonst heißt der Zug auch „el tren de los muertos". Wie bereits gesagt, bei dieser Arbeit musst Du wirklich harte Nerven haben. Ich erwähne dies lieber im Vorfeld, als das man nachher total geschockt ist.

---- Tecún Umán wird von der kath. Kirche geleitet.

----In Tecún Umán und Tapachula gibt es immer wieder einmal Probleme mit Coyotes und den
Mareros, die sich unter die Migranten mischen (sie sehen in jedem Migranten einen potentiellen „Kunden“ und mit denen ist nun wirklich nicht zu spaßen).
Viel besser sieht es bei den anderen Orten auch nicht aus.

--- Die Häuser in Mexiko werden von der Congregatio Scalabriniana geführt. Das ist normal. Viele humanitäre Hilfsprojekte werden in Mexiko von religiösen Institutionen geleitet. Der Scalabriniana-Orden gehört zur kath. Kirche und wurde speziell für die Hilfe von Migranten gegründet. In den Häusern geht es bezüglich der Religion nicht extremer zu als in anderen religiös geführten Häusern und humanitären Organisationen auch.

--- In Tapachula leitet die Caritas ebenfalls ein Projekt für Migraten:
http://www.mexico-mexiko.com/viewtopic. ... 250#p70250

Möchte Dich wirklich nicht entmutigen, aber Du brauchst für diese Arbeit mehr als starke Nerven, darfst Dich in keinerlei Weise an politische Aktivitäten beteiligen und musst in der Lage sein, bei vielen Dingen die Du siehst nicht zu reagieren. Wenn Du das kannst, dann würde ich sagen „Prima, dann versuche es“. Wenn nicht, dann würde ich Dir wirklich vorschlagen, in einem anderen Hilfsprojekt mitzuwirken. Aber die Entscheidung kannst nur Du alleine treffen.
Wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück für Dein Vorhaben und mein Respekt, dass Du Dich für andere Menschen einsetzten möchtest, ist Dir auf alle Fälle sicher.

Liebe Grüße
Christa
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Re: Erfahrung mit Casa de Migrantes?

Beitragvon Garcia Lorca » Mi 27 Feb, 2008 14:53

Hallo Christa,

danke für die ausführliche Antwort! Ich bin erstaunt, dass sich doch jemand so gut damit auskennt (wußte nicht, inwieweit diese casas bekannt sind). Ich würde wirklich gerne mit Migranten arbeiten, da mich gerade diese Thematik, auch aufgrund meines Studiums, interessiert. Aber ob ich denn tatsächlich in der Lage wäre mich zurück zu halten, wenn jemandem unrecht getan würde ... ich glaube, das könnte ich nicht :icon-snooty Dazu haben ich wohl zu viel Gerechtigkeitssinn (sonst würde ich mich wohl auch nicht so mit der Problematik auseinander setzten).
Ich war mir auch nicht ganz sicher, ob das casa in Chiapas jenes ist, wo die vielen Verletzten aufgefangen werden. Das habe ich schon einmal in einem Doku gesehen und fand es wirklich traurig, war aber erstaunt wie positiv viele Migranten trotz allem gestimmt waren.
Vielleicht werde ich mir das noch mal überlegen...
Gibt es denn noch andere Organisationen, die sich für Migranten einsetzen und Hilfe benötigen könnten?

LG Garcia Lorca
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Re: Erfahrung mit Casa de Migrantes?

Beitragvon Christa » So 02 Mär, 2008 23:18

Hallo Garcia Lorca

Aber ob ich denn tatsächlich in der Lage wäre mich zurück zu halten, wenn jemandem unrecht getan würde ... ich glaube, das könnte ich nicht Dazu haben ich wohl zu viel Gerechtigkeitssinn (sonst würde ich mich wohl auch nicht so mit der Problematik auseinander setzten).


Das ist löblich …aber darf ich Dir einen wirklich gut gemeinten Rat geben …..wenn Du in solchen Projekten arbeitest, darfst Du nie vergessen, dass Du a) Gast in diesem Land bist und b) Du Dich (ob sie nun richtig sind oder nicht) an die Regeln und Gesetze halten musst.
Angenommen .. nehme jetzt einmal einen krassen Fall… Du bekommst mit wie ein Polizist einen Migranten misshandelt .. ein Einschreiten Deinerseits würde weder dem Migrant noch Dir in irgendeiner Weise helfen- im Gegenteil, eher nur schaden. Es gibt in Mexiko den sogenannten Artikel 33. Er ist zwar in erster Linie darauf ausgerichtet, dass sich Ausländer nicht in politische Angelegenheiten des Landes einmischen dürfen …aber er enthält auch den Satz „Aber die Exekutive der Union besitzt das ausschließliche Recht, jeden Ausländer dessen Anwesenheit auf nationalen Territorium unerwünscht ist, sofort und ohne vorherigen Prozess des Landes zu verweisen.“
Mein Hinweis „Zähne zusammen zu beißen“ war also durchaus ernst gemeint.

Gibt es denn noch andere Organisationen, die sich für Migranten einsetzen und Hilfe benötigen könnten?

Mir fallen im Moment keine ein die ich mit ruhigem Gewissen empfehlen könnte.
Wenn Du wirklich in einem solchen Projekt arbeiten möchtes… hm, ich persönlich würde Tapachula wählen.
Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht, wenn Du Dich einmal an das
Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas wenden würdest.
Sie arbeiten zwar nicht „direkt“ mit Migranten aber dort erfährst Du viel mehr über die gesamten Zusammenhänge bezüglich Migration. Dieses Centrum kann Dir vielleicht auch gute Projekt-Adressen nennen.

Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas, A.C.
Calle Brasil 14, Barrio Méxicanos, 29240 San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, México
Tel: 967 6787395, 967 6787396, 967 6783548 Fax: 967 6783548
Correo: frayba@frayba.org.mx

Wünsche Dir viel Erfolg
Christa
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